Nicole Baumgarten für die klassisch-feine Reiterei
Pferde(REHA)training u. klassisch reiten, gesund ausbilden!!
Nicole Baumgarten nicole.baumgarten(a)gmx.info
...neue Wege!
Für Sabine mit Cello... im Juni ´16

Wenn scheinbar ausweglose Diagnosen, neue Wege aufzeigen!
Immer wieder gern für Euch ...



Sabine und Infante

"Liebe Nicole, 
 
Meine erst Reaktion auf deine Bitte, etwas für deine HP zu schreiben, war damals : 
Da gibt es doch nicht viel Positives zu berichten !
Denn mein ursprüngliches Ziel, mit meinem Pferd reiterlich zusammen zu wachsen, wird nie Realität werden.
 
Ehrlich betrachtet hingegen, verdanke ich dir so viel, das es Seiten füllen würde, das alles aufzuschreiben. 
Aber am besten beginne ich von vorne:
 
Als wir uns vor zwei Jahren kennenlernten, waren Infante und ich an einem absoluten Tiefpunkt angelangt.
Er war gerade ein halbes Jahr bei mir und wir kamen überhaupt nicht mehr miteinander klar.  
Die ersten Wochen klappten gut mit ihm. Dann wurde er zunehmend schwieriger zu reiten, war spannig, rannte plötzlich los und auch beim Aufsitzen sprang er weg. 
Er ließ sich nicht mehr longieren, reagierte panisch, riss sich los. 
Nachdem die dritte Bereiterin nach einem schweren Sturz aufgegeben hatte, ich selbst auch nach mehreren Stürzen nicht mehr in seinen Sattel stieg, und wir kaum noch ohne Angst mit einander umgehen konnten, war unser Glück, von dir zu hören. 
 
Ich hoffte auf Unterstützung und Hilfe, und die sollte ich bekommen.....
Du lerntest ein total unglückliches, (s)panisches Pferd und seine überforderte Besitzerin kennen. 
Auf deine Anregung hin wechselte ich den Stall, damit Infante erst einmal in Ruhe ankommen konnte, da er vor einem halben Jahr aus Spanien gekommen war, danach Kastration, etc. 
Er bekam statt der 24 Std. Boxenhaltung jetzt viel täglichen Weidegang, und ich Unterstützung durch unsere Heike, die ihm/uns vieles für den täglichen Umgang beibrachte (z.B. Hufe geben). 
Dafür nahm ich fast täglich die Fahrt Cuxhaven/Lamstedt auf mich, aber so war er im gleichen Stall wie dein Wessel, und du konntest ihn jederzeit flexibel erreichen. 
 
Nach 6 Wochen begannen wir wieder mit ihm zu arbeiten. 4 x pro Woche lernte er ruhig an der Longe zu gehen und sich vom Boden arbeiten zu lassen. 
Ich lernte von dir, wie ein so hochsensibles, feines Pferd zu handeln ist und wie ich mit ihm arbeiten kann, ohne ihn zu verwirren. 
So sind wir langsam zusammen gewachsen. 
In der Zwischenzeit genoss er den neuen Luxus von Weide und Herde (nach anfänglichen Schwierigkeiten, da er das nach10 Jahren als Hengst nicht kannte), und wurde zahnärztlich und physiotherapeutisch behandelt. 
Nach einigen Monaten intensiver Bodenarbeit und Rückentraining bekam er seinen neuen Maßsattel und es sollte wieder ans Reiten gehen.
  
Leider zeigte er sich auch bei dir unter dem Sattel alles andere als locker und entspannt und nachdem er in der Halle ohne erkennbaren Grund durchging und erst nach gefühlten 10 Runden wieder bei dir war, waren wir ratlos.
Jetzt bestellte ich eine Tierärztin deines Vertrauens, und Infante wurde geröntgt. 
Die Röntgenbilder zeigten einen Befund von engstehenden und sich teilweise überlagernden Wirbelkörpern mit bereits bestehender Arthrose und entzündlichen Bereichen, Röntgenklasse 3-4, Diagnose:   unreitbar
Ein 10 Jahre altes Pferd! 
Mir wurde langsam klar, dass ich ein Pferd hatte, das von mir nie zu reiten sein würde, das ich auch nicht mehr verkaufen konnte.  
Nach reiflicher Überlegung, entschied ich mich, ihn zu behalten.
Mit deiner Erfahrung und deiner Umsicht warst du mir auch bei dieser Entscheidung eine wertvolle Unterstützung. 
 
Jetzt lebt Infante in einem kleinen privaten, aber professionell geführten Stall in einer Paddockbox, mit täglichem Weidegang in seiner vertrauten Herde. Das ist optimal für seinen Rücken und wir haben dort alles, was wir brauchen, inkl. einem kleinen Trainingsplatz und einer  vertrauensvollen, zuverlässigen Betreuung.
Wir erarbeiten uns mit deiner Unterstützung die klassische Longen- und Handarbeit mit Trense und Kappzaum, rückengerecht – versteht sich .
Zur Entspannung und Verbesserung unserer Beziehung üben wir mit dem Klicker ein paar Zirkuslektionen und Freiarbeit, was uns beiden riesig Spaß macht. 

Ich freue mich jedes Mal auf die Trainingseinheiten mit dir, da es viel zu lernen gibt für Infante und mich, und wer könnte uns besser dabei unterstützen als du.
Durch deine ständigen Weiterbildungen,  auch zum Thema rückengerechtes Arbeiten und physiotherapeutische Ansätze plus der klassischen Handarbeit, deiner Erfahrung im Umgang mit Hengsten und Spaniern und deiner unendlichen Geduld, bis du für uns eine unschätzbare Unterstützung. 
Kenne ich doch hier niemanden, der uns bei der Bodenarbeit helfen könnte. Die meisten Trainer und Reiter belächeln diese Art der Beschäftigung mit dem Pferd, und ein nicht reitbares Pferd taugt meist nur noch als Beisteller oder für den Schlachter. 
 
Infante ist heute ein ausgeglichenes, zufriedenes Pferd. Anhänglich, manchmal etwas frech, der immer wieder mal testet – ein charmanter Spanier eben.
Wir haben jetzt eine interessante Aufgabe gefunden, die uns viel Freude macht, ihn fordert und gymnastiziert und mir viel schöne Zeit gibt, die ich auch am Boden genießen kann, ganz anders, als vor zwei Jahren erwartet.
 
Wie hab ich gerade gelesen:
 " die Arbeit an der Hand ist eine Kunst für sich. 
Sie muss genau so erlernt werden wie das Reiten, macht aber ebenso viel Freude.“ (Claudia Sanders, Dressur Studien 4/15) 
 
Das kann ich nur unterstützen und danke Dir herzlichst für deine tatkräftige Unterstützung. 
 
März 2016, Sabine und Infante "